Übermäßiges Schwitzen
Hyperhidrose: Therapie bei starkem Schwitzen
Hyperhidrose bezeichnet eine krankhaft gesteigerte Schweißproduktion, die deutlich über das Maß hinausgeht, das zur Temperaturregulation nötig ist. In Deutschland leiden ca. 2-4% der Bevölkerung an übermäßigem Schwitzen. Betroffene können selbst in Ruhe und bei normalen Umgebungstemperaturen so stark schwitzen, dass z.B. Hände und Füße feucht bzw. tropfend sind.
Wenn Sie beim Ausfüllen Schwierigkeiten haben, stellen wir die Unterlagen auf Anfrage in barrierefreier Form bereit. Schreiben Sie an nachrichten@hautzentrum-berlin.de.
Medizinische Hintergründe
Wir unterscheiden einerseits die fokale (nur einzelne betroffene Areale wie z.B. Hände/Füße oder Achseln) und die generalisierte (den ganzen Körper betreffende) Hyperhidrose und andererseits – klinisch relevantere Einteilung – die primäre und sekundäre Hyperhidrose. Im Gegensatz zur sekundären Hyperhidrose liegt bei der primären Hyperhidrose keine zugrundeliegende Erkrankung vor. Dementsprechend muss zur Abgrenzung einer sekundären Hyperhidrose eine Grunderkrankung ausgeschlossen werden.
Folgen für Alltag und Gesundheit
- Sozial & psychisch: Meidungsverhalten und sozialer RückzugHändeschütteln, Papierarbeit oder leichte Kleidung werden vermieden; Angst und Scham führen oft zu Rückzug.
- Dermatologisch: Ständiges Feuchtklima begünstigt Ekzeme, Nagelpilz und bakterielle Hautinfektionen.
- Funktionell: Feuchte Finger können Touchscreens, Instrumente oder Werkzeuge unbrauchbar machen.
Lebensqualität und Meidungsverhalten
Während sich einige Betroffene ihrer Erkrankung gar nicht bewusst sind, fühlen sich die meisten durch das übermäßige Schwitzen stark in ihrer Lebensqualität und der Teilhabe am sozialen Leben eingeschränkt. Oft entwickeln die Betroffenen ein Meidungsverhalten, damit ihre Mitmenschen keine Kenntnis davon nehmen.
Primäre (idiopathische) Hyperhidrose
- Fokal: meist Achseln, Handflächen, Fußsohlen, seltener Gesicht
- Beginn typischerweise in Pubertät oder jungem Erwachsenenalter
- Familiäre Häufung bei bis zu 30 %
Sekundäre Hyperhidrose
- Generalisierte oder fokale Verteilung je nach Ursache
- Folge von Erkrankungen (z. B. Schilddrüsenüberfunktion, Diabetes, Infektionen, Tumoren) oder Medikamenten
- Behandlung vorrangig der zugrundeliegenden Störung
Behandlung
- Anamnese & ggf. körperliche Untersuchung
- Blutuntersuchung u.a. zum Ausschluss von Hyperthyreose, Infektionen, Diabetes
- Schwitztest: Der Jod-Stärke-Test (Minor-Test) färbt betroffene Areale dunkel und visualisiert die Ausdehnung des betroffenen Areals
Wir führen im Hautzentrum Berlin Behandlungen in Abhängigkeit von Schweregrad und Körperregion Therapien leitliniengerecht durch
Lokaltherapie
Verfahren: Aluminiumchlorid
Wirkprinzip1 & Ablauf: verschließt vorübergehend Schweißdrüsen durch kleine Pfropfen in den Ausführungsgängen und reduziert dadurch die ekkrine Schweißproduktion
Wirkdauer: Stunden–Tage
Bemerkungen: nachts auftragen, anfangs täglich, später 1-2× wöchentlich
Lokaltherapie
Verfahren: Topische Anticholinergika (Glycopyrronium-Tücher, Oxybutynin-Gel)
Wirkprinzip1 & Ablauf: hemmen die Übertragung von Nervenimpulsen an die Schweißdrüsen
Wirkdauer: 24 h
Bemerkungen: privat zu zahlen; Augen- und Mundtrockenheit möglich
Physikalisch
Verfahren: Leitungswasser-Iontophorese
Wirkprinzip1 & Ablauf: Schwachstrom blockiert ekkrine Drüsen
Wirkdauer: Tage–Wochen
Bemerkungen: Initial mindestens 3-4× wöchentlich, dann Erhaltungsintervall
Systemtherapie
Verfahren: Oxybutynin, Glycopyrronium, Clonidin
Wirkprinzip1 & Ablauf: zentrale & periphere Hemmung der Schweißsekretion
Wirkdauer: Stunden
Bemerkungen: Mundtrockenheit, Müdigkeit; Off-label
Injektion
Verfahren: Botulinumtoxin A
Wirkprinzip1 & Ablauf: zentrale & blockiert Freisetzung von Acetylcholin an Drüsen und hemmt damit die Aktivität der Schweißdrüsen
Wirkdauer: 4–9 Monate
Bemerkungen: 50–100 Injektionen/Region zugelassen für axilläre Hyperhidrose
Chirurgisch2
Verfahren: Endoskopische thorakale Sympathektomie (ETS)
Wirkprinzip1 & Ablauf: Durchtrennung des sympathischen Grenzstrangs
Wirkdauer: dauerhaft
Bemerkungen: Reservetherapie bei therapierefraktärer palmarer Hyperhidrose; Risiko: kompensatorisches Schwitzen
1mittlere Angabe, individuell variabel; 2wird nicht im Hautzentrum Berlin durchgeführt
Spotlight – Relevante Publikationen
Dr. Frank Bachmann veröffentlichte einen Übersichtsartikel zur Hyperhidrose, in dem er moderne diagnostische Ansätze sowie evidenzbasierte Therapieoptionen dieser häufig belastenden Erkrankung zusammenfasst. Die Publikation zeigt seine breite dermatologische Expertise über die entzündlichen Dermatosen hinaus und unterstreicht seinen Fokus auf patientenorientierte, evidenzbasierte Behandlungskonzepte.
FAQs
Warum schwitzt der Körper zu viel?
Schweiß wird von ekkrinen Drüsen gebildet, die über das vegetative Nervensystem gesteuert werden. Bei der primären Hyperhidrose ist die cholinerg-sympathische Nervenaktivität übersteigert. Schon geringe emotionale oder thermische Reize lösen maximale Impulse an eigentlich gesunden Drüsen aus. Eine genetische Veranlagung und eine Fehlregulation in einem Hirnareal („Hypothalamus-Thermostat“) werden diskutiert. Die Drüsen selbst sind also nicht krank – sie reagieren nur überempfindlich.
Werden die Kosten von Krankenkassen übernommen?
- Präparate zur lokalen Behandlung wie z.B. mit Aluminiumchlorid sind rezeptfrei.
- Behandlungen mit Iontophorese: Die Anschaffung der entsprechende Geräte ist bei bestätigter Hyperhidrose mit entsprechendem Schweregrad erstattungsfähig.
- Behandlungen mit Botulinumtoxin A werden bei schwerer, bestätigter Hyperhidrose im Bereich der Achseln häufig erstattet. Wir unterstützen Sie gerne bei der Antragsstellung.
- Medikamente zur systemischen Therapie sind meist off-label, d.h. nicht zugelassen und werden entsprechend nicht von Krankenkassen erstattet. Einzelfallentscheidungen zu Gunsten der Betroffenen sind natürlich möglich.
Ist die Behandlung mit Botulinumtoxin A schmerzhaft?
Wie lange dauert es, bis eine Therapie wirkt?
- Aluminiumchlorid: 1–3 Tage
- Iontophorese: meist nach 5–10 Sitzungen
- Botulinumtoxin A: Wirkung setzt nach 3–7 Tagen ein
- Systemische Therapie: innerhalb weniger Tage
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